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 „Märchenhafter Abschluss“

Gesamtschule Alsdorf entließ seinen Abschlussjahrgang 2004

Alsdorf. „172 Schülerinnen und Schüler entlassen wir heute. Alle kenne ich, manche kenne ich gut, einige kenne ich besser“, begrüßte Schulleiter Volker Klüppel humorvoll und herzlich Eltern, Kollegium und die Schülerinnen und Schüler des diesjährigen Entlassjahrgangs im vollbesetzten Pädagogischen Zentrum der Alsdorfer Gustav-Heinemann-Gesamtschule und ergänzte nicht ohne Ironie passend: „Nicht unbedingt, weil ich sie unterrichtet habe. Da gibt es noch andere Möglichkeiten, sich kennen zu lernen.“

Der 10te Jahrgang 2004

Der „Chef“ selbst sammelt nämlich die besten Stilblüten aus Aufsätzen, die Schüler dann schreiben müssen, wenn sie sich in der Schule nicht an die geltenden Regeln gehalten haben. So zitierte Schulleiter Klüppel in seiner Rede sichtlich genüsslich u. a. aus einer der „wunderbaren Einsichten und Ansichten“ eines Schülers (natürlich bleiben die Namen anonym), „der sein Leben sicher meistern wird. Er weiß, dass man Preise vergleichen muss. Er argumentiert: Ich habe das Schulgelände verlassen, weil ich das Essen viel zu teuer finde. Unsere Eltern sind ja keine Millionäre. Meine Eltern haben vier schulpflichtige Kinder, das Geld muss also mal vier genommen werden. Während man in der Schule für ein Schokocroissant 60 Cent bezahlen muss, kriegt man im Lidl für 90 Cent 5 Schokocroissant. Was sollen mein Bruder und ich denn machen, wenn wir nicht genug Geld haben. Sollen wir verhungern oder verdursten?“

Schulleiter Klüppel sprach den Eltern seinen besonderen Dank aus für die aktive Teilnahme am Schulleben, bei Arbeitsgemeinschaften, Schulfesten, Tagen der Offenen Tür, Projektwochen u. v. m. und wünschte den Entlassschülern „alles Gute und dass sich Eure Wünsche und Erwartungen für Euer weiteres Leben realisieren“.

Lehrerin  Doris Jöhnk erteilte anschließend ihren Entlassschülern stellvertretend für ihre im Jahrgang unterrichtenden Kolleginnen und Kollegen eine letzte „Märchen-Stunde“: „Märchen – erinnert Ihr Euch an Klasse 5, als Ihr die Kriterien eines Märchens gelernt habt ? Inzwischen wisst Ihr, ein Märchen ist die einzige Möglichkeit legal zu lügen, und Ihr müsst diesmal wieder alleine herausfinden, wann ich lüge, und wann nicht.“ Nach ausgiebigem „märchenhaften“ Dank an die Eltern und Großeltern für besonderes Engagement fand Lehrerin Jöhnk auch Worte eines „ausgezeichneten Lobesmärchens“ für die Schüler: „Nie hattet Ihr Buch oder Heft vergessen, die Hausaufgaben waren immer gemacht. Wenn Ihr einmal gefehlt habt, lag Eure Krankenmeldung direkt am nächsten Tag vor, und das Wort „Schwänzen“ kanntet Ihr gar nicht. Euer Handy wurde niemals im Unterricht benutzt, niemals die Countainerecke in Rauchschwaden gehüllt oder der Parkplatz am Lidl zum offiziellen Schulhof erklärt.“ Weniger ironisch fuhr Jöhnk dann fort: „Jeder hat sein Möglichstes getan und sein Bestes gegeben, und deshalb sind wir stolz auf Euch. Beginnt Euren Weg mit frohem Mut. Wartet nicht auf den Prinzen oder die Prinzessin, die Euch auf Ihr Pferd heben – das gibt es wirklich nur im Märchen. Nehmt Euer Leben in die Hand.“ Auf Jöhnks Schlusssatz „Das wünschen Euch Eure Lehrer – und wenn sie nicht gestorben sind…“ (ein von allen Gästen sogleich verstandener letzter Gruß an den verstorbenen ehemaligen Klassenlehrer Eugen Tönnis) antworteten 172 Schüler wie aus einem Mund: „Dann leben sie noch heute.“

Die amtierenden Paarweltmeister im Polkatanzen, Jennifer und Maike Ise (10b), zeigten im Anschluss eine wahrhafte akrobatisch-sportliche Tanzdarbietung und erntete tosenden Applaus.

Die Auftritte von Schulchor und Schulband, sowie die Darbietungen eines Maskentanzes, arabischer Bauchtanz und eine Hip-Hop-Einlage gaben der ansonsten festlichen Feier einen fröhlich ausgelassenen Rahmen.

Abteilungsleiter Klaus Fischer zeichnete die Jahrgangsbesten bei der Zeugnisausgabe mit Buchpreisen aus, gestiftet vom Förderverein der Schule.

Beim anschließenden Sektempfang bot sich Anlass für intimere Gespräche, Geschenke und persönlichen Abschied.