Druckversion von: /aktuell/zeitung-22-12-2003.htm - " Berlin-Reise mit Überraschungen"

Berlin-Reise mit Überraschungen


Vier Tage lang fand für den Abiturjahrgang der Alsdorfer Gustav-Heinemann-Gesamtschule der Unterricht an eher ungewohntem Ort statt: In Berlin informierten sich die Schülerinnen und Schüler über Themen wie Parlamentarismus in der Bundesrepublik, Gewaltenteilung in der parlamentarischen Demokratie und Geschichte des jüdischen Lebens in Deutschland.   "Das Berlin-Seminar ist eigentlich eine Idee der Schüler", meinte Malte Kirchhoff, Geschichtslehrer an der GHG, und fügte erklärend hinzu: "Immer wieder haben die Schüler im Unterricht den Wunsch geäußert, doch auch einmal die historischen Orte selbst als Schauplätze deutscher Politik und Geschichte sehen zu wollen, und dann habe ich gesagt: Wir fahren dahin!" Natürlich stand die Besichtigung des Bundestags im alten Reichstagsgebäude ebenso auf dem Besuchsplan wie die des Brandenburger Tores, des Bundeskanzleramts, des Pergamon-Museums und von Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten. Mehr Zeit "An den Orten des Gedenkens, etwa am Mahnmal für die Opfer des Holocausts oder bei der Besichtigung der Dokumentation der NS-Verbrechen 'Topographie des Terrors' verbrachten die Schüler auf eigenen Wunsch hin mehr Zeit, als eigentlich eingeplant war", meinte beeindruckt von der Anteilnahme der Schüler Lehrer Frank Bourginion, ebenfalls Geschichtslehrer an der GHG: "Das ist eine Lernsituation, die man im Klassenzimmer nicht herstellen kann. Die Schüler sind wissbegierig und interessiert und hatten auch genügend Raum, ihre persönliche Betroffenheit zu erleben." Die Jahrgangsstufe 13 in Berlin. Neben dem Besichtigungsplan und den verschiedenen Workshops gab es natürlich auch genügend Zeit für Stadtbummel und Shopping. "Wir hatten viel Spaß mit wenig Geld», brachte die Schülerin Jennifer Grybowski ihre Hauptstadtimpressionen auf einen Nenner und fügte kopfschüttelnd hinzu: "Wenn man bedenkt, dass im sechsten Stockwerk des KaDeWe das Kilo Kirschen 30 Euro kostet oder eine einzelne Zigarre für 500 Euro zu haben ist, dann ist man mit kleinem Geldbeutel auch mal schnell mit einer Zuckerstange sehr, sehr glücklich." Doch auch andere typisch hauptstädtische Besonderheiten begegneten den Schülern. So wusste auch Juliane Hotzky Sonderliches zu berichten: "Am Jüdischen Museum wollte ich mein Kaugummipapier in eine Mülltonne schmeißen, doch da war nirgends eine zu finden. Aus Angst vor Bombenanschlägen hat man kurzerhand alle Mülltonnen abmontiert. Das finde ich krass. Genauso krass fand ich, dass bei der englischen Botschaft die Straße komplett von der Polizei gesperrt worden war, ebenfalls wegen Bombendrohung. Auch sind wir zufällig in eine Studentendemonstration geraten und wurden von Studenten und Polizisten gleichermaßen einfach umgerannt. Gott sei Dank ist niemandem etwas passiert, aber auf solche Erlebnisse kann ich echt verzichten." "Die Schüler waren während der Workshops und bei den Exkursionen engagiert bei der Sache und hatten wohl auch Spaß dabei. Eine solche Studienfahrt hat ihr Ziel erreicht", resümierte Lehrerin Siggi Crott zufrieden und riet zu einer Wiederholung.