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Unnötig vor allem ist eben der Krieg
Athen, 411 vor Christus. Lysistrate, Frau eines athenischen
Frontsoldaten, in tiefer Unzufriedenheit über die sinnlosen Opfer und das
grenzenlose Leid des langen Krieges zwischen Athen und Sparta, will nicht
länger darauf warten, dass ihre Männer den Krieg endlich beenden und verbündet
sich mit der Spartanerin Lampito. Gemeinsam berufen sie ein Treffen aller
Frauen ein, bei dem sie beschließen dem Krieg ein Ende zu setzen. Sie zetteln
eine Verschwörung an und überreden die Frauen Griechenlands zu sexueller
Verweigerung und Besetzung der Akropolis unter Beschlagnahme der Staatskasse.
Der Verdruss der Männer ist entsprechend groß. Aber Lysistrate hält ihre unter
der Verweigerung selbst furchtbar leidenden Geschlechtsgenossinnen wacker bei
der Stange und erreicht dadurch am Ende zwischen den sexuell entsetzlich
ausgehungerten Männern von Athen und Sparta den ersehnten Friedensschluss.
Der antike Komödiendichter Aristophanes geißelt in seiner
auch heute noch nach wie vor brandaktuellen Kriegssatire - 60 Jahre nach
Kriegsende in unserem Land - Machtgier, Egoismus und Unvernunft in einer
patriarchalisch geprägten Gesellschaft und stellt dem mit reichlich
Augenzwinkern eine positive Gegenwelt gegenüber: Wie, wenn die Frauen durch Ehestreik
die Männer zähmten und so den Krieg für alle Zeiten unmöglich machten ? Wie,
wenn wir alle einmal - nach dem cleveren Vorbild der Lysistrate - unseren
Verstand gebrauchen würden? Eine entwaffnende Vorstellung!
Hinreißend gespielt von Andrea Mahnke versucht die zickige,
selbstbewußte Anführerin aller Frauen, Lysistrate, ihre Mitstreiterinnen stets
wieder aufs Neue zu ermutigen, unterstützt von der Chorführerin und Freundin,
großartig verkörpert durch Isabel Nehrig. Christina Gilleßen gibt in ihrem beherzten
Spiel der Lampito die starke Ausdruckskraft einer echten Spartanerin. Der arme
Kinesias, herrlich ironisch und durchaus mit deftigen Gesten von Marco Griemens
gespielt, ist wohl der einzige Mann, der am deutlichsten die Absichten der
Frauen zu spüren bekommen muss und er weist einige Probleme auf, damit fertig
zu werden. Lisa Nebgen mimt überzeugend Myrhinne, die niedliche kleine Frau des
Kinesias, die hin und her gerissen ist zwischen dem Schwur und der Liebe zu
ihrem Mann.
Ihr Versuch beidem gerecht zu werden gerät zu einer
slapstickartigen Ehekommödie nach Art des Woody Allen, vom Publikum mit
schallendem Gelächter und tosendem Szenenapplaus bedacht.
Die schauspielerisch stärkste Leistung des Abends zeigte
sicherlich Marc Cianci, zum einen als Chorführer - er versucht seine
Leidensgenossen bei der "Stange" zu halten - und zum anderen in der Parabase,
einem satirisch-kabarettistischen Zwischenspiel innerhalb der Komödienhandlung.
Cianci wendet sich packend und mit großer Ausdruckskraft
direkt an das Publikum und spießt in bester kabarettistischer Manier
anspielungsreich die Abgründe des pädagogisch Alltags an einer Schule auf nach
dem Prinzip "Ein Wort genügt - und jeder weiß Bescheid (und lacht)".
Da wird die kleinkarierte Lehrerin aufs Korn genommen, deren
hysterischer Ausruf "Wir haben noch eine Minute" zum Schluss der
Unterrichtsstunde keinen Schüler wirklich mehr vom Hocker reißt, oder der
vermeintliche Elitepädagoge, der durch künstlich aufgeblähtes Fachchinesich
über mangelnde inhaltliche Substanz hinwegtäuschen will, ebenso wie der
Brutalomagister, der die Schule verbal mit einer Strafvollzugsanstalt
verwechselt.
Was der Literaturkurs der Jahrgangsstufe 12 auf die Bühne
brachte, war mehr als sehens- und hörenswert: ein brilliantes Theatervergnügen
als Ventil und kritische Instanz für die Gemeinschaft.
Technisch aufwendig - Multimediashow, Chorlieder,
Beleuchtungseffekte, Kulisse, Kostüme, tänzerische Einlagen etc. - wurde die
Inszenierung durch die beiden Lehrer Barbara Cordes und Guido Becker einer
modernen Lysistrate mehr als gerecht und mit weit über 400 Zuschauern ein
großer Theaterabend an der Gustav-Heinemann-Gesamtschule.
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