|
Druckversion von: /projekte/theater/presse.htm - " Beschreibung des Theaterstücks "Lysistrate" im Schuljahr 2005" Unnötig vor allem ist eben der Krieg
Literaturkurs der Jahrgangsstufe 12 der Alsdorfer Gesamtschule spielt Aristophanes´ "Lysistrate"Athen, 411 vor Christus. Lysistrate, Frau eines athenischen
Frontsoldaten, in tiefer Unzufriedenheit über die sinnlosen Opfer und das
grenzenlose Leid des langen Krieges zwischen Athen und Sparta, will nicht
länger darauf warten, dass ihre Männer den Krieg endlich beenden und verbündet
Der antike Komödiendichter Aristophanes geißelt in seiner auch heute noch nach wie vor brandaktuellen Kriegssatire - 60 Jahre nach Kriegsende in unserem Land - Machtgier, Egoismus und Unvernunft in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft und stellt dem mit reichlich Augenzwinkern eine positive Gegenwelt gegenüber: Wie, wenn die Frauen durch Ehestreik die Männer zähmten und so den Krieg für alle Zeiten unmöglich machten ? Wie, wenn wir alle einmal - nach dem cleveren Vorbild der Lysistrate - unseren Verstand gebrauchen würden? Eine entwaffnende Vorstellung! Hinreißend gespielt von Andrea Mahnke versucht die zickige,
selbstbewußte Anführerin aller Frauen, Lysistrate, ihre Mitstreiterinnen stets
wieder aufs Neue zu ermutigen, unterstützt von der Chorführerin und Freundin,
großartig verkörpert durch Isabel Nehrig. Christina Gilleßen gibt in ihrem beherzten
Spiel der Lampito die starke Ausdruckskraft einer echten Spartanerin. Der arme
Kinesias, herrlich ironisch und durchaus mit deftigen Gesten von Marco Griemens Die schauspielerisch stärkste Leistung des Abends zeigte sicherlich Marc Cianci, zum einen als Chorführer - er versucht seine Leidensgenossen bei der "Stange" zu halten - und zum anderen in der Parabase, einem satirisch-kabarettistischen Zwischenspiel innerhalb der Komödienhandlung. Cianci wendet sich packend und mit großer Ausdruckskraft direkt an das Publikum und spießt in bester kabarettistischer Manier anspielungsreich die Abgründe des pädagogisch Alltags an einer Schule auf nach dem Prinzip "Ein Wort genügt - und jeder weiß Bescheid (und lacht)". Da wird die kleinkarierte Lehrerin aufs Korn genommen, deren hysterischer Ausruf "Wir haben noch eine Minute" zum Schluss der Unterrichtsstunde keinen Schüler wirklich mehr vom Hocker reißt, oder der vermeintliche Elitepädagoge, der durch künstlich aufgeblähtes Fachchinesich über mangelnde inhaltliche Substanz hinwegtäuschen will, ebenso wie der Brutalomagister, der die Schule verbal mit einer Strafvollzugsanstalt verwechselt.
Was der Literaturkurs der Jahrgangsstufe 12 auf die Bühne brachte, war mehr als sehens- und hörenswert: ein brilliantes Theatervergnügen als Ventil und kritische Instanz für die Gemeinschaft. Technisch aufwendig - Multimediashow, Chorlieder, Beleuchtungseffekte, Kulisse, Kostüme, tänzerische Einlagen etc. - wurde die Inszenierung durch die beiden Lehrer Barbara Cordes und Guido Becker einer modernen Lysistrate mehr als gerecht und mit weit über 400 Zuschauern ein großer Theaterabend an der Gustav-Heinemann-Gesamtschule. |