Abschlussveranstaltung


Auf dem Weg zu einem weltweiten Netz der Freiheit

Abschluss des internationalen Projekts „Pillars of Freedom“ in Alsdorf. Mit unterschiedlichen Ansätzen für ein gemeinsames Ziel.

Ein weltumspannendes Netz von Kunstwerken, die die Menschen dazu anregen, sich ak­tiv für Toleranz, Respekt und Demokratie einzusetzen – das ist die Vision des Alsdorfer Bildhauers Alfred Mevissen. Mit seinem Projekt „Plllars of Freedom“ (.Säulen der Freiheit“) ist er diesem Ziel inner­halb des vergangenen Jahres ein riesiges Stück näher gekommen: Verteilt auf 20 Länder haben mehr als 90 Künstler 112 Säulen geschaffen. Das ist die beachtliche Bilanz, die Mevissen bei  der  vorläufigen Ab­schlussveranstaltung in der Gustav-Helnemann-Gesamtschule Alsdorf am Donnerstagabend ziehen konnte.

Der für die Veranstaltung gewählte Tag, der 9. November, stehe wie kein anderer für Freiheit  ebenso wie für Unfreiheit, sagte Sabine Verheyen, Europaabgeordnete und  Schirmher­rin des Projekts. „Einerseits steht das Datum für den Auftakt des Schreckens und Mordens in Europa 1938, andererseits Ist der Tag des Mauerfalls 1989 ein Symbol der Freiheit und des Zu­sammenhalts.

Per Videoschaltungen wurden Performances und Feierlichkeiten an verschiedenen Säulen-Standorten in Südtirol, den Niederlanden und Ravensburg zugeschaltet. Auch außerhalb von Europa haben Künstler Mahnmale für den un­schätzbaren Wert geschaffen, den ein selbstbestimmtes Leben in Frei­heit hat. Der amerikanische Künstler Calvin Babich hat nicht nur eine der Skulpturen auf dem Kunstpfad durch die Alsdorfer Parks geschaffen, sondern auch in seiner Heimat Toledo im US-Bundesstaat Ohio eine steinerne „Säule der Freiheit“ errichtet.

Viele Manifeste der Freiheit konnten die rund 150 Besucher nicht nur per Video begutachten, sondern in der Aula der Gesamtschule Alsdorf im direkten Gespräch mit den anwesenden Künstlern kennenlernen. Die Holzschnitt-Säule von Beate Bündgen zum Beispiel zeigt im Zusammenhang der vier Elemente des Lebens, die von einem losen Knoten zusammen gehalten werden. Für Gabi Schmertz liegt die Freiheit in der Natur und deren Erhaltung – ihre ungewöhnliche Säule besteht ausschließlich aus den Naturmaterialien Holz und Filz.

Das Werk von Ahin Sido hat zwei Seiten: Die Syrerin ist seit knapp zwei Jahren in Deutschland. Die Familie ist noch in der Heimat, auch ihre Zeichnungen und Bilder musste sie zurücklassen. Die eine Seite zeigt das erste Bild, das sie in Deutschland gemalt hat. Es zeigt schwarze, schehmenhafte Gestalten vor einem düsteren Hintergrund. Das gleiche Motiv zeigt die andere, erst vor Kurzem entstandene Seite, doch sind die farben freundlicher, die  Menschen haben Gesichter bekommen.

„Das Projekt führt uns vor Augen, dass die Freiheit nicht selbstverständlich ist. Auch in Europa sind wir versucht, die Freiheit zugunsten der Sicherheit einzuschränken. Dabei die Balance zu finden, ist eine große Aufgabe unserer Zeit“, sagte Verheyen.

Unter der Leitung von Alfred Mevissen hatten auch Schüler der Gesamtschule Alsdorf aus Findlingen verschiedener Gesteinsarten und Herkunft eine Freiheitssäule geschaffen. In einer Deklararation versprechen die beteiligten Künstler ihren weiteren Einsatz für die Freiheit.

Layla ZerroualVielfalt leben, Meinung äußern – zwei Fragen an Layla Zerroual

Was bedeutet für Dich Freiheit? Fühlst Du Dich frei?

Zerroual: Für mich bedeutet Frei­ heit vor allem Meinungsfreiheit. Und in unserem Alltag: machen zu können, was man will. Ich fühle mich Im weitesten Sinne schon frei, „eingeschränkt“ wird meine Freiheit nur von meinen Eltern, wenn es zum Beispiel darum geht, wie lang ich abends unterwegs sein darf.

Wie habt Ihr das Thema an Eurer Säule umgesetzt?

Zerroual: In der Gruppe haben wir uns am Projektwochenende ein gemeinsames Konzept über­legt. Wir haben eine Weltkugel dargestellt – die ganze Welt soll frei sein, nicht nur wir hier in Deutschland. Außerdem ist unser Stein sehr bunt. Das soll die Vielfalt symbolisieren, die uns ausmacht. Gerade hier an der Schule ist die Vielfalt sehr wichtig: Wir sind eine Multi-kulti-Schule, und wir wollen zeigen, dass wir auch Menschen akzeptieren, die zum Beispiel Transgender sind. Die einbetonierte Säule soll uns von nun an immer erinnern, tolerant zu sein.

 

Entnommen aus Aachener Nachrichten vom 10.11.2017