Namibia 2026


Worüber sich Schülerinnen und Schüler aus Namibia in unserem Land wundern

Eine Schülergruppe aus Windhoek war mit ihren Lehrkräften auf Gegenbesuch bei ihren Partnerschulen, der Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Alsdorf und dem Gymnasium Baesweiler.

Als Symbol für ihre Schulpartnerschaft und für Nachhaltigkeit haben die Jugendlichen aus Alsdorf und Baesweiler mit ihren Gästen aus Namibia einen Baum gepflanzt. Foto: Paula Schmidt

Luftlinie liegen zwischen Windhoek in Namibia und Alsdorf beziehungsweise Baesweiler knapp 8240 Kilometer. Für die zehnköpfige Gruppe aus dem Land im Süden Afrikas war es jedoch viel mehr als nur eine Reise auf einen anderen Kontinent. Es war eine Reise in eine andere Welt. „Wir leben in einer Wüste, und hier ist es sehr, sehr grün“, nennt Maria Tobias ein anschauliches Beispiel. Sie ist Lehrerin an der Havana High School in Windhoek, mit der das Gymnasium Baesweiler und die Gustav-Heinemann-Gesamtschule Alsdorf eine Schulpartnerschaft pflegen. Mit einer Kollegin und einem Kollegen sowie sieben ihrer Schülerinnen und Schüler war sie jetzt in unserer Region zu Besuch.

Mehr Fleisch in Namibia

„Mind-blowing“ im Sinne von „überwältigend“ sei es vor allem für ihre Jugendlichen. Jeder Tag steckte voller Eindrücke und neuer Erfahrungen, von der Landschaft über das doch sehr andere Essen – in Namibia kommt mehr Fleisch auf die Teller als bei uns – bis zum deutschen Schulsystem und der Lebensart. Es ist viel in der kurzen Zeit auf die 15- und 16-Jährigen eingestürzt.

Was ihren Gastgebern nur zu vertraut ist. Im Herbst vergangenen Jahres war eine Gruppe aus Alsdorf/Baesweiler in Namibia, und auch für sie war der Besuch eine Erfahrung, die sich schwer in Worte fassen lässt und immer noch nachwirkt. Valentino Garcia Kauric, einer der Schüler der Gustav-Heinemann-Gesamtschule, beschreibt die Reise als „Perspektivwechsel“, der ihnen allen unheimlich viel mitgegeben habe für ihre Zukunft. „Für mich hat sich dadurch Dankbarkeit neu definiert“, sagt der 18-Jährige. Er und die anderen haben sich verliebt in ein Land mit einer atemberaubenden Landschaft. „Meine Mutter war noch nie dort, aber nach allem, was ich erzählt habe, möchte sie unbedingt einmal hin.

Die Jugendlichen aus den drei Partnerschulen und ihre Lehrkräfte hatten viel Spaß bei der gemeinsamen Spray-Aktion. Foto: Andrea Thomas

Eine weitere Aktion war die Erweiterung der Schulpartnerschaftswand in der Gesamtschule um das Logo der Partnerschaft mit der Havana High School. Foto: Andrea Thomas

Gemeinsam haben die deutschen und namibischen Schülerinnen und Schüler Blumenkästen für die Hochbeete im Schulgarten gestaltet und Nachhaltigkeitssymbole aufgesprüht. Foto: Andrea Thomas

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schon weil es für sie selbst ein solches Erlebnis war und sie große Herzlichkeit und Gastfreundschaft erfahren haben, wollten sie etwas zurückgeben und haben alles darangesetzt, ihren Gästen eine unvergessliche Zeit zu schenken. Untergebracht waren diese in Gastfamilien, um außerhalb des gemeinsamen Programms zu erleben, wie Familienleben und Alltag bei uns aussehen. Mit Erfolg: „Wir fühlen uns willkommen und sicher hier“, beschreibt es Lovis Kakoto, eine der namibischen Schülerinnen. Alle seien sehr nett und sie hätten viel erlebt.

Inspirierende Historie

Die Gruppe war mit ihren Gastgebern unter anderem in Vogelsang, ist Boot gefahren, hat Aachen und Maastricht besucht und viel über die Geschichte der beiden Städte und der Region erfahren. Besonders die Geschichte hat es Nalilimeke Hamukwaya angetan. Was sie über die Arbeit der Archäologen, die Aachens Geschichte erforschen, gehört habe, sei inspirierend gewesen, erzählt die 16-Jährige.

Viel Spaß hatten die Gäste aus Namibia auch bei den Kreativprojekten mit den deutschen Schülern. Gemeinsam haben sie unter Anleitung von Künstler Christian Rieli unter anderem Blumenkästen für die Hochbeete im Schulgarten gestaltet und die Schulpartnerschaftswand um weitere Graffiti erweitert. Außerdem haben sie einen Baum gepflanzt. Die Aktionen fanden diesmal alle in Alsdorf statt. Dafür waren die afrikanischen Gäste am Gymnasium in Baesweiler aktiv beim Sponsorenlauf für die Schule mit dabei sowie beim Schulfest. Zudem haben sie am Unterricht ihrer Partnerschulen teilgenommen.

Nicht nur für die Jugendlichen, auch für Lehrerin Maria Tobias, die zum zweiten Mal auf Besuch weilte, waren die Tage lehrreich. „Bei uns sind die Klassen größer und der Stundenplan kürzer. Auch ist der Unterricht bei uns theoretischer. Hier ist alles praxisbezogener“, berichtet sie.

Was aber auch an den Möglichkeiten liege, die ihnen fehlten. An der Havana High School gibt es keine digitale Tafel, sondern eine, auf die man mit Kreide schreibt, und ein Mikroskop für den Einsatz im Biologieunterricht ist ein Wunschtraum. Dafür hat Bildung an sich in Namibia einen höheren Stellenwert, weil Kinder und Jugendliche wüssten: Ohne Bildung hätten sie keine (berufliche) Zukunft in ihrer Heimat.

Engagierter Förderverein

Dass die etwa 800 Schülerinnen und Schüler (von Klasse acht bis elf) der Havana High School diese Chance auf Bildung haben, liegt auch am Engagement der beiden Schulen aus unserer Region und dem von ihnen gegründeten Förderverein „Schulpartnerschaft AlBa und Namibia“. Der ist nach einer für sie prägenden Namibiareise 2019 auf Initiative des Lehrerehepaars Annette Arlt und Johannes Stollwerk entstanden. Die Idee: junge Menschen dort auf ihrem Weg zu unterstützen und denen, die sie unterrichten, wertvolle Lebenserfahrungen mit auf den Weg zu geben. Zum Beispiel den Wert von Gemeinschaft, Offenheit für andere Kulturen und Menschen oder die Erkenntnis, dass junge Menschen, egal, wo auf dieser Welt sie leben, im Grunde gar nicht so verschieden sind.

Entnommen aus Aachener Zeitung vom 9.07.2026